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| Spaziergänger
auf dem Wall um die Stadt, dahinter die Rückseite des Accouchir-Hospitals
(an der heutigen Hospitalstraße), das zu Lichtenbergs Lebzeiten errichtet
wurde. |
Nach meinem
ehmaligen Garten hin [vgl. Gartenhaus 1779 - 1782], ist eine gantze neue
Straße entstanden, und beym Geißmar Thore entsteht jezt ein
Accouchir=Hospital, das fast, fast für uns und die Huren zu prächtig
ist. (Bw 3, 1516) |
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| Maria Dorothea Stechard,
Lichtenbergs große Liebe von 1777 bis zu ihrem Tod 1782. In einem
Trauerbrief an G.H. Amelung beschreibt er, wie er sich in sie verliebte,
als hätte ihn der Blitz getroffen: |
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"Ich habe vorigen Sommer,
bald nach Ihrem lezten Brief, den grösten Verlust erlitten, den ich
in meinem Leben erlitten habe. ... Ich lernte im Jahr 1777 (die sieben
taugen wahrlich nicht) ein Mädchen kennen, eine Bürgers Tochter
aus hiesiger Stadt, sie war damals etwas über 13 Jahr alt; Ein solches
Muster von Schönheit und Sanfftmuth hatte ich meinem Leben noch nicht
gesehen, ob ich gleich viel gesehen habe. Das erste mal, da ich sie sah,
befand sie sich in einer Gesellschafft von 5 bis 6 andern, die wie die
Kinder hier thun, auf dem Wall den vorbeygehenden Blumen verkaufen. Sie
bot mir einen Strauß an, den ich kaufte. Ich hatte 3 Engländer
bey mir, die bey mir aßen und wohnten. God almighty, sagte der eine,
what a handsome girl this is. Ich hatte das ebenfalls bemerckt, und da
ich wußte was für ein Sodom unser Nest ist, so dachte ich ernstlich
dieses vortreffliche Geschöpf von einem solchen Handel abzuziehn.
Ich sprach sie endlich allein, und bat sie mich im Hause zu besuchen;
sie gienge keinem Purschen auf die Stube sagte sie. Wie sie aber hörte,
daß ich ein Professor wäre, kam sie an einem Nachmittage mit
Ihrer Mutter zu mir. Mit einem Wort, sie gab den Blumenhandel auf, und
war den gantzen Tag bey mir. Hier fand ich, daß in dem vortrrefflichen
Leib eine Seele wohnte, grade so wie ich sie längst gesucht aber
nie gefunden hatte. Ich unterrichtete sie im Schreiben und rechnen, und
in andern Kenntnissen, die ohne eine empfindsame Geckin aus Ihr zu machen,
ihren Verstand immer mehr entwickelten. Mein physikalischer Apparat, der
mich über 1500 Thaler kostet, reizte sie anfangs durch seinen Glantz
und endlich wurde der Gebrauch davon Ihre eintzige Unterhaltung. Nun war
unsre Bekanntschafft aufs Höchste gestiegen. Sie gieng spät
weg, und kam mit dem Tage wieder, und den gantzen Tag über war ihre
Sorge meine Sachen, von der Halsbinde an bis zur Lufftpumpe, in Ordnung
zu halten, und das mit einer so himmlischen Sanfftmuth deren Möglichkeit
ich mir vorher nicht gedacht hatte. Die Folge war, was Sie schon muthmasen
werden, sie blieb von Ostern 1780 an gantz bey mir. Ihre Neigung zu dieser
Lebensart war so unbändig, daß sie nicht einmal die Treppe
hinunterkam, als wenn sie in die Kirche und zum Abendmahl gieng. Sie war
nicht wegzubringen. Wir waren beständig beysammen. Wenn sie in der
Kirche war, so war es mir, als hätte ich meine Augen und alle meine
Sinnen weggeschickt. - Mit einem Wort - sie war ohne priesterliche Einsegnung
(verzeyhen Sie mir, bester, liebster Mann, diesen Ausdruck) meine Frau.
Indessen konnte ich diesen Engel, der eine solche Verbindung eingegangen
war, nicht ohne die gröste Rührung ansehn. Daß sie mir
alles aufgeopterte hatte, ohne vielleicht gantz die Wichtigkeit davon
zu fühlen, war mir unerträglich. Ich nahm sie also mit an Tisch,
wenn Freunde bey mir speißten, und gab ihr durchaus die Kleidung,
die Ihre Lage erforderte, und liebte sie mit jedem Tage mehr. Meine ernstliche
Absicht war mich mit ihr auch vor der Welt zu verbinden, woran sie nun
nach und nach mich zuweilen zu erinnern anfieng. O du groser Gott! Und
dieses himmlische Mädchen ist mir am 4ten August 1782. Abends mit
Sonn=Untergang gestorben. Ich hatte die besten Aerzte, alles, alles in
der Welt ist gethan worden. Bedencken Sie liebster Mann, und erlauben
Sie mir daß ich hier schließe. Es ist mir unmöglich fortzufahren
GCLichtenberg" (Bw 2, 998) |
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W. Promies, rowohlt-monographie
Lichtenberg, Reinbek 1964, S. 131 |
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